Biographie


Marion Sommerschuh

“...schön, wie die zufällige Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirmes auf einem Operationstisch” ist ein berühmter Satz, der zum Leitmotiv der Surrealisten wurde.

Kennzeichnend für den Surrealismus ist das magische Sich-Berühren von Dingwelten in einem absurden Ambiente und der Hang zur Verfremdung der Wirklichkeit durch die Bildwirklichkeit. Die widersprüchlichen Bedingungen von Realität und Irrealität sollen in einer Überwirklichkeit, einer sur-realité, aufgelöst werden.

Marion Sommerschuh´s Bilder sprechen durch ihre surrealen Bildideen und die intensive Farbigkeit den Betrachter an. Deckend aufgetragene Farbklänge in Rot, Blau, Grün und Gelb kennzeichnen ihren autodidaktisch entwickelten Malstil. Die Farben fließen nicht in typischer Aquarelltechnik Nas-in-Nass ineinander, sondern sind als lineare oder patchwork Farbfelder klar gegeneinander abgegrenzt.

Diese Malweise ist nicht gestisch spontan, sondern rational konstruiert und langwierig, denn der Trocknungsprozess muss abgewartet werden, bis das nächste Farbfeld an das vorherige angesetzt werden kann.

Ein Hauptmotiv in Marion Sommerschuh´s Bildern ist die toskanische Landschaft, mit ihren sanft gerundeten Hügeln, Zypressen und alten Landarbeiterhäusern.

Gerade für die Übersetzung der unterschiedlichen farbigen Felder einer Landschaft eignen sich die Farbfeldkompositionen besonders. Ähnlich wie beim Kubismus wird durch die Farbfelder eine extreme Formvereinfachung und eine fast flächige Darstellung der Tiefenräumlichkeit erreicht.

Marion Sommerschuh´s “Theaterbilder”, in denen der rote Vorhang und Masken ein Hauptmotiv darstellen, zeigen die toskanische Landschaft als unwirkliches Bühnenbild, auf welches der rote Vorhang den vollen Einblick verwehrt. Das Motiv der Maske und des Bühnenvorhangs finden wir auch in Bildern René Magrittes.

Einen weiteren thematischen Schwerpunkt stellen die “erotischen Bilder” dar, auf denen sich Frau und Mann gefühlvoll erotisch begegnen. Eng umschlungen scheinen sie den Augenblick der Erotik festhalten zu wollen. Einige Bilder zeigen Frauenkörper in klischeehaft posierender Haltung. Haare, Haut und Bekleidung der dargestellten Körper erscheinen durch die Farbfeldtechnik wie gauklerische Kostüme und Verkleidungen. Erotik als ein spielerischer Moment, der vorübergeht, ein nicht fassbares und dauerhaft haltbares Gefühl. Ein Spiel dessen Regeln zwei Menschen miteinander immer wieder neu ausloten müssen, um in seinen Genuss kommen zu können.

Besonders möchte ich noch Marion Sommerschuh´s Jahresbilder hervorheben. Sie sind Chroniken eigener Lebenszeit und fesseln gerade durch ihre persönliche Aussage den Betrachter. 365 Bilder, jedes nur etwa 5x5 cm groß, aneinandergereiht, wie Sätze in einem Schriftstück, lassen uns Erlebtes, wie in einem Tagebuch lesen.

® Wilfriede Ehrenheim, Freie Autorin, Frankfurt im Juni 2001